Wie wählt man einen Mikroantrieb für die Labor und Analysetechnik aus?

Regner® Editorial Team
Aiguaviva -
25/08/2026
Microactuator for analytical instrumentation. How to choose them.

Die Auswahl eines Mikroantriebs für die Labor und Analysetechnik erfordert die Bewertung von Auflösung und Wiederholgenauigkeit, Betriebsprofil, Einschaltdauer und Lebensdauer, verfügbarem Bauraum und Systemarchitektur, Verhalten im Fehlerfall und Sensorik, chemischen und akustischen Umgebungsbedingungen, Qualitätsanforderungen und regulatorischen Vorgaben sowie der Frage, ob eine Katalogkomponente oder ein applikationsspezifisch entwickeltes Subsystem die bessere Lösung ist. Die Entscheidung sollte nicht allein auf Kraft, Geschwindigkeit oder Katalogpreis beruhen.

Hinter jedem zuverlässigen Analyseergebnis steckt Bewegung: Eine Spritze saugt ein exakt definiertes Probenvolumen an, ein Ventil schaltet zum richtigen Zeitpunkt oder eine Durchflusszelle wird mit Wiederholgenauigkeit im Mikrometerbereich positioniert. In einem Analysegerät ist der Mikroantrieb die Schnittstelle zwischen der digitalen Welt des Instruments und der physischen Welt der Probe. Seine Auswahl kann die Genauigkeit, Zuverlässigkeit und Wartungskosten des Gesamtsystems erheblich beeinflussen.

Trotzdem wird die Auswahl des Antriebs im Entwicklungsprozess häufig zu spät und anhand unvollständiger Kriterien getroffen. Kraft, Geschwindigkeit und Preis werden verglichen, während genau die Faktoren unberücksichtigt bleiben, die ein robustes Analysegerät von einem System unterscheiden, das später im Feld Probleme verursacht. Aus mehr als drei Jahrzehnten Zusammenarbeit mit OEM Herstellern analytischer Geräte hat REGNER sieben zentrale Fragen abgeleitet, die vor einer Entscheidung beantwortet werden sollten.

1. Welche Auflösung und Wiederholgenauigkeit benötigt die Anwendung tatsächlich?

Dies ist die grundlegende Frage. Die richtige Antwort ergibt sich jedoch nicht aus dem Antrieb selbst, sondern aus der analytischen Methode.

Bei einer Spritzenpumpe wird die Bewegungsauflösung unmittelbar in eine Volumenauflösung umgesetzt. Die Wiederholgenauigkeit des Hubs beeinflusst entsprechend die Wiederholgenauigkeit der Dosierung.

Die analytische Spezifikation, beispielsweise ein maximal zulässiger Variationskoeffizient bei der Dosierung, sollte deshalb in mechanische Parameter übersetzt werden: Spindelsteigung, Motorauflösung und zulässiges Axialspiel.

Eine unnötig hohe Auflösung erhöht die Kosten. Eine zu geringe Auflösung kann dagegen dazu führen, dass das System die geforderte Funktion nicht erfüllt. Die optimale Lösung entsteht erst dann, wenn Gerätehersteller und Antriebshersteller diese Anforderungen gemeinsam in mechanische Spezifikationen übersetzen.

Spritzenpumpe Mikroaktuator

2. Wie sieht das tatsächliche Betriebsprofil aus und wie viele Zyklen absolviert das Gerät während seiner Lebensdauer?

Ein Tischanalysegerät im routinemäßigen Laborbetrieb kann über einen Zeitraum von zehn Jahren täglich mehrere Dutzend Zyklen ausführen. Multipliziert man die täglichen Zyklen mit den Betriebstagen und der vorgesehenen Lebensdauer, ergeben sich schnell mehrere Hunderttausend Hübe.

Diese Lebensdaueranforderung sollte die Auswahl der Werkstoffpaarung von Spindel und Mutter, der Schmierung und der Lager bestimmen und nicht allein die im Katalog angegebene Kraft.

Das Betriebsprofil bestimmt außerdem die Einschaltdauer. Sie beschreibt den Anteil der tatsächlichen Betriebszeit des Antriebs innerhalb eines definierten Bezugszeitraums. Dieser Wert beeinflusst das thermische Verhalten und damit die Kraft, die unter realen Betriebsbedingungen dauerhaft zur Verfügung steht.

Zwei Geräte können über ihre gesamte Lebensdauer dieselbe Anzahl von Zyklen erreichen und den gleichen Mikroantrieb dennoch thermisch völlig unterschiedlich belasten. Ein Gerät dosiert möglicherweise nur einmal alle paar Minuten. Ein anderes führt zahlreiche Hübe unmittelbar hintereinander aus.

Kraftangaben sollten deshalb immer in Verbindung mit einer klar definierten Einschaltdauer betrachtet werden und nicht als isolierter Spitzenwert.

Beispielrechnung

55 Zyklen/Tag × 365 Tage × 10 Jahre = 200.750 Betriebszyklen Wenn jeder Zyklus aus Ausfahren und Einfahren besteht, absolviert der Antrieb insgesamt 401.500 Einzelhübe. Vierhunderttausend Hübe ohne vorgesehenes Wartungsintervall: Genau diese Größenordnung muss durch Prüfungen validiert werden und nicht lediglich eine theoretisch berechnete Lebensdauer aus dem Katalog.

Fragen Sie deshalb immer nach Lebensdauerprüfungen. Entscheidend sind beschleunigte Prüfungen unter Bedingungen, die die tatsächliche Anwendung realistisch abbilden, und nicht ausschließlich theoretisch berechnete Lebensdauerwerte. In der Praxis ist dies der Unterschied zwischen belastbaren Prüfergebnissen und einer theoretischen Annahme.

3. Welche Anforderungen stellt das Gerät an Bauraum und Systemarchitektur?

Die zunehmende Miniaturisierung von Tischgeräten, tragbaren Analysegeräten und integrierten Analysesystemen macht jeden Millimeter Bauraum wertvoll.

Dabei ist nicht nur die Größe des Antriebs entscheidend, sondern auch seine konstruktive Architektur: die Anordnung des Motors in axialer oder paralleler Bauweise, eine geführte oder ungeführte Spindelausführung sowie die Position der Sensorik.

Ein etwas längerer, dafür schmalerer Antrieb kann beispielsweise eine Gerätekonstruktion ermöglichen, die mit einer kürzeren, aber breiteren Lösung nicht realisierbar wäre.

Deshalb ist es sinnvoll, den Antriebsspezialisten bereits während der Definition der Produktarchitektur einzubeziehen und nicht erst dann, wenn der verfügbare Bauraum bereits vollständig festgelegt ist.

Microactuator for analytical instrumentation

4. Was geschieht im Fehlerfall?

In der Analyse und Labortechnik hat die Frage nach der Sicherheit zwei unterschiedliche Aspekte.

Der erste ist mechanischer Natur: Muss das System seine Position bei einem Ausfall der Stromversorgung halten?

Wenn dies erforderlich ist, kann eine selbsthemmende Spindel eine intrinsische Haltefunktion ermöglichen, ohne dass dafür permanent Energie benötigt wird. Die tatsächliche Haltefähigkeit muss jedoch unter den realen Bedingungen der Anwendung validiert werden, einschließlich Last, Vibration, Verschleiß und Umgebungsbedingungen.

Der zweite Aspekt ist funktionaler Natur: Wie erkennt das System eine Blockierung, eine Positionsabweichung oder das Erreichen einer Endlage?

Die Antwort hängt von der vorhandenen Sensorik, den Rückmeldesignalen und der Steuerungslogik ab.

Ein guter Mikroantrieb bewegt sich nicht nur präzise. Er stellt dem Gesamtsystem auch die Informationen zur Verfügung, die für Überwachung und Diagnose erforderlich sind.

5. Ist der Mikroantrieb mit den chemischen und akustischen Umgebungsbedingungen kompatibel?

Analysegeräte arbeiten häufig in unmittelbarer Nähe aggressiver Reagenzien, Kondensation und regelmäßiger Reinigungsprozesse. Werkstoffe, Beschichtungen und Schutzmaßnahmen des Antriebs müssen deshalb entsprechend ausgewählt werden.

Ein weiterer Faktor wird bis zum ersten Prototyp häufig unterschätzt: die Geräuschentwicklung.

Ein Laborgerät arbeitet über viele Stunden hinweg in unmittelbarer Nähe von Personen. Ein hoher Geräuschpegel oder eine unangenehme Geräuschcharakteristik können deshalb selbst ein technisch hervorragend funktionierendes Produkt negativ beeinflussen.

Ein niedriges Geräuschniveau entsteht nicht zufällig. Es muss konstruktiv berücksichtigt werden, unter anderem durch die Auswahl und Auslegung von Motor, Getriebe sowie Spindel und deren Oberflächenqualität.

6. Welche Qualitätsanforderungen und regulatorischen Vorgaben gelten?

Handelt es sich bei dem Gerät um ein Medizinprodukt oder ein In vitro Diagnostikum, erstrecken sich die Anforderungen an die Rückverfolgbarkeit auf die gesamte Lieferkette.

Ein Lieferant mit Zertifizierung nach ISO 13485 und ISO 9001 kann Prozesse für Änderungskontrolle, Chargenrückverfolgbarkeit und Dokumentenlenkung bereitstellen, die mit den Anforderungen des Geräteherstellers kompatibel sind.

Auch außerhalb regulierter Branchen führen diese Verfahren zu einem sehr konkreten Vorteil: einer hohen Konsistenz zwischen Produktionschargen und weniger unerwarteten Abweichungen nach mehreren Jahren Serienfertigung.

Weitere Informationen finden Sie unter unseren Zertifizierungen und Qualitätssystemen.

7. Katalogkomponente oder applikationsspezifisch entwickeltes Subsystem?

Diese Entscheidung beeinflusst viele der zuvor genannten Kriterien.

Ein Katalogantrieb kann die Anforderungen eines Prototyps schnell erfüllen. Ein speziell für die Anwendung entwickeltes Subsystem, bei dem Motor, Getriebe, Spindel, Führung und Sensorik als Gesamtsystem ausgelegt werden, erfüllt dagegen die Anforderungen des späteren Serienprodukts.

Dieser Ansatz kann die Anzahl der beteiligten Lieferanten reduzieren und die Integrationsverantwortung stärker beim Antriebsspezialisten bündeln.

Dadurch lässt sich insbesondere das Risiko unzureichend definierter Schnittstellen reduzieren. Solche Schnittstellen gehören zu den häufigsten Ursachen späterer Zuverlässigkeitsprobleme.

Unsere Erfahrung mit kundenspezifischen Antriebslösungen für OEM Hersteller zeigt: Je entscheidender die Bewegung für die analytische Funktion des Geräts ist, desto größer ist der Nutzen eines ganzheitlich entwickelten Subsystems.

Die 7 Auswahlkriterien im Überblick

Kriterium Zentrale Frage Risiko bei fehlender Bewertung
Auflösung Welche minimale Bewegung benötigt die Methode? Dosierfehler
Betriebsprofil Wie viele Zyklen sind erforderlich und bei welcher Einschaltdauer? Vorzeitiger Ausfall oder temperaturbedingter Kraftverlust
Bauraum Welche Geometrie lässt das Gerät zu? Integrationsprobleme
Sensorik Wie werden Blockierungen oder Positionen erkannt? Fehlende Diagnosemöglichkeiten
Umgebung Gibt es Reagenzien, Kondensation oder Geräuschbelastung? Materialschäden oder eingeschränkte Nutzererfahrung
Qualität Welche Rückverfolgbarkeit erfordert das Produkt? Regulatorisches Risiko
Architektur Katalogkomponente oder Subsystem? Unzureichend definierte Schnittstellen

Die Wahl eines Mikroantriebs bedeutet letztlich auch die Wahl eines technischen Partners

Die Auswahl eines Mikroantriebs für die Labor und Analysetechnik geht häufig über den Einkauf einer einzelnen Komponente hinaus. In vielen Fällen ist eine enge technische Zusammenarbeit erforderlich.

Die sieben genannten Fragen haben eines gemeinsam: Keine davon lässt sich allein anhand eines Katalogs vollständig beantworten.

Sie lassen sich wesentlich besser gemeinsam mit einem technischen Partner lösen, der sowohl die Präzisionsmechanik als auch die Anforderungen moderner Labor und Analysegeräte versteht.

REGNER Engineering erfüllt diese Aufgabe seit mehr als drei Jahrzehnten für OEM Hersteller weltweit. Entwicklung und Fertigung erfolgen im eigenen Haus auf Grundlage der Zertifizierungen ISO 9001, ISO 13485 und ISO 14001.

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